.crew: Warum wir uns bei ICANN um eine eigene Top-Level-Domain beworben haben
Ein Team hat fast immer einen Namen. Eine freie Domain dazu hat es fast nie. Genau an dieser Stelle setzt unsere Bewerbung an: Wir haben uns in der neuen nTLD-Runde bei der ICANN um die Top-Level-Domain .crew beworben.
Was genau haben wir beantragt?
Eine Top-Level-Domain, kurz TLD, ist der Teil einer Internetadresse nach dem letzten Punkt, also .de, .com oder eben .crew. Wer eine neue TLD betreiben will, kann sich nicht einfach dafür anmelden, sondern muss sich bei der ICANN bewerben, der internationalen Organisation, die das Domain-Name-System verwaltet. Das ist zuletzt 2012 möglich gewesen. Damals sind über 1.200 neue Endungen entstanden, von .shop über .berlin bis .google.
Danach war 14 Jahre lang Pause. Am 30. April 2026 hat die ICANN das Bewerbungsfenster zum zweiten Mal geöffnet, am 12. August 2026 hat sie es wieder geschlossen. In diesen 15 Wochen sind nach Angaben der ICANN mehr als 1.600 Hauptbewerbungen eingegangen. Jede einzelne Bewerbung kostet allein an Evaluierungsgebühr 227.000 US-Dollar, dazu kommen Technik, Recht und Betrieb.
Eine dieser Bewerbungen ist unsere: .crew. Aber Achtung: Eine Bewerbung ist ein Antrag, keine Zusage. Bis eine neue Endung tatsächlich im Netz erreichbar ist, liegen ein mehrstufiges Prüfverfahren und eine mögliche Auktion dazwischen. Detaillierte Informationen rund um den gesamten Bewerbungs- und Vergabeprozess gibt es hier bei ICANN direkt.
Warum ausgerechnet .crew?
Weil „Crew“ eines der wenigen Wörter ist, das im Deutschen und im Englischen dasselbe bedeutet und trotzdem nicht nach Konzern klingt. Eine Crew ist ein Filmteam, eine Segelmannschaft, ein Gaming-Clan, eine Dachdeckerkolonne, eine Agentur, eine Band, eine Freiwillige Feuerwehr oder einfach eine Gruppe an Freund:innen.
Für diese Gruppen ist die Domainsuche heute frustrierend. Der Wunschname ist unter .de und .com seit Jahren vergeben oder geparkt, und was übrig bleibt, sind Konstruktionen mit Bindestrichen und angehängten Ziffern. Unter einer Endung, die erst startet, sind kurze und sprechende Adressen dagegen noch zu haben. Genau das ist der Grund, warum wir uns nach über 20 Jahren als Registrar zum ersten Mal selbst auf die andere Seite stellen.
Kann ich mir eine .crew-Domain jetzt schon sichern?
Nein, die Endung existiert im Domain-Name-System bisher nicht. Es gibt keine Registrierungsstelle, keine Preisliste und keine Warteliste mit Anspruch auf einen bestimmten Namen. Wer euch heute eine .crew-Domain oder eine andere Endung aus der Runde 2026 gegen Geld „reserviert“, verkauft ein Versprechen, das niemand einlösen kann. Unverbindliche und kostenlose Interessenslisten sind branchenüblich und in Ordnung, bezahlte Vorabregistrierungen für noch nicht delegierte Endungen sind es nicht.
Wie geht es jetzt weiter?
Nach dem Ende des Bewerbungsfensters prüft die ICANN zunächst formal, ob die Anträge vollständig sind. Danach folgt der Reveal Day, der Tag, an dem die ICANN alle beantragten Endungen und die dahinterstehenden Bewerber öffentlich macht. Er soll spätestens neun Wochen nach Schließung des Fensters stattfinden, also etwa Mitte Oktober 2026.
Danach läuft es in groben Zügen so weiter:
- 14 Tage nach dem Reveal Day: Bewerbende, die vorsorglich eine Ersatzendung hinterlegt haben, können auf diese wechseln.
- String Confirmation Day, voraussichtlich November 2026: Die ICANN veröffentlicht die endgültige Liste der beantragten Endungen und die sogenannten Contention Sets, also die Gruppen von Bewerbenden, die dieselbe Endung wollen.
- Danach: Prioritätsziehung, Einspruchsfristen für Dritte, technische und finanzielle Evaluierung, Auflösung der Contention Sets, Registry-Vertrag, Delegation.
- Realistischer Start der ersten neuen Endungen: frühestens 2028.
Was passiert, wenn sich jemand anderes ebenfalls auf .crew beworben hat?
Dann entsteht ein Contention Set, und die Regeln sind in dieser Runde deutlich härter als 2012. Damals konnten sich konkurrierende Bewerbende privat einigen, oft über private Auktionen, bei denen der Gewinner die anderen Parteien ausbezahlt hat. Das ist jetzt verboten. Ab dem Reveal-Day sind Absprachen zwischen konkurrierenden Bewerbenden untersagt, und die einzige zulässige Lösung ist eine Auktion der ICANN. Wer gegen die Regeln verstößt, riskiert den Ausschluss aus dem Verfahren.
Fazit
Wir haben uns um .crew beworben, weil Teams einen Namen verdienen und wir uns mit unserer langjährigen Erfahrung im Domain-Business in der Lage sehen, aus dieser Endung etwas Großes für Teams und Gruppen jeglicher Art zu machen.

Kyra Bader
Kyra ist seit 2023 Teil des INWX-Teams, nachdem sie zuvor schon auf Agenturseite für die Domain-Industrie gearbeitet hat. Für unseren Blog berichtet sie nicht nur über Domaintrends und Branchenthemen, sondern hat auch die Interview-Reihe „Women in Tech“ ins Leben gerufen, die sich auf die Geschlechtergleichheit in der IT-Branche konzentriert und Frauen aus der Domainbranche eine Bühne geben soll.