Erfahrungsbericht: Empowering Women to Leadership in Cyber - USTTI Kurs
Unsere Mitarbeiterin Ariane (Legal, Compliance & Information Security) wurde zum Programm „Empowering Women to Leadership in Cyber“ des US Telecommunications Training Institute (USTTI) und des Global Cybersecurity Forum (GCF) in die USA eingeladen.
Das zweiwöchige Programm fand in Washington D.C., Boulder (Colorado) und Los Angeles statt und richtet sich an Frauen aus dem Cybersicherheitssektor weltweit. An dem Programm nahmen 22 Frauen aus 18 Ländern teil. Ariane war die erste Teilnehmerin aus Deutschland.
In diesem Beitrag berichtet sie von den Inhalten des Programms, den Stationen der Reise und ihren persönlichen Eindrücken.
Was ist das USTTI
Das US Telecommunications Training Institute (USTTI) ist eine gemeinnützige Organisation, die seit 1982 Fach- und Führungskräfte kostenlos in den Bereichen Telekommunikation, Regulierung und Cybersicherheit ausbildet.
Mit unterschiedlichen Kursen und Trainingsprogrammen verfolgt die USTTI das Ziel, Fachkräfte weltweit auf Führungsrollen vorzubereiten, regulatorische Rahmenbedingungen mitzugestalten und die digitale Kluft zwischen den Geschlechtern zu schließen.
Unterstützt werden diese kostenlosen Programme von der US-Regierung sowie der Industrie. Einer der Sponsoren ist die ICANN, die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, die zentrale Organisation für die Verwaltung von Domainnamen und damit die wichtigste Institution unserer Branche.
Das Programm „Empowering Women to Leadership in Cyber“ und die Kursinhalte
Im Rahmen des Programms „Empowering Women to Leadership in Cyber“ werden gezielt Frauen im Bereich Cybersicherheit gefördert. Das Programm vermittelt technisches, strategisches und methodisches Wissen für die Leitung von Cybersicherheits-Operationen, den Aufbau einer Sicherheitskultur im Unternehmen sowie den Abbau struktureller Führungsbarrieren. Neben Vorträgen internationaler Expertinnen und Experten aus Regierung, Industrie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft umfasst das Programm praxisnahe Site-Visits sowie interaktive Workshops.
Direkt zu Beginn des Programms trafen wir Grace Koh, die uns von ihrer Praxis als Botschafterin und als ehemaliger Special Assistant to the President for Cyber-Security Policy berichtete und Einblicke in ihre Arbeit gab.
Neben verschiedenen weiteren Vorträgen und Sessions zu unterschiedlichen Themen im Bereich Cyber-Security, wie beispielweise Cyberangriffe mit Blick auf KI, gab es auch insgesamt sechs Sessions zum Thema Principles of Leadership. Dort wurde über Themen wie strategische Führung, Talentförderung, Kommunikation und Projektplanung gesprochen.
Unterstützt wurden diese theoretischen Aspekte mit praxisnahen Beispielen und Fällen, sowie interaktiven Gruppensessions. Dort haben wir verschiedene Szenarien besprochen und konnten unser Handeln erproben. Besonders gut zu sehen war, dass auch die anderen ähnliche Entscheidungen getroffen hätten, und es hat noch einmal gezeigt, wo die Stärken jeder einzelnen lagen.
Dabei lag der Fokus stets auf der Förderung von Frauen, die sich in unterschiedlichen Kulturen und in von Männern dominierten Branchen behaupten müssen. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir dabei der folgende Satz von Grace Koh „If you deserve to sit on the table – sit on the table!“
Zum Abschluss des Programms folgte noch ein ganz besonderes Highlight: der Besuch des ICANN-Headquarters in Los Angeles. Als akkreditierter Registrar ist ICANN die zentrale Institution in unserer Branche, und darum war diese Station besonders spannend für mich. Dort bekamen wir die Möglichkeit, offen Fragen zu stellen und Erfahrungsberichte direkt aus erster Hand zu erhalten.
Mein Fazit zum Programm
Ich bin extrem dankbar für diese zwei sehr lehrreichen Wochen und auch dankbar für die vielen wunderbaren Frauen, die ich treffen und mit denen ich diese Zeit gemeinsam verbringen durfte. Wir werden in Kontakt bleiben und es gibt auch bereits Pläne für gemeinsame Projekte. Es war einfach klasse zu sehen, dass wir alle mit denselben Herausforderungen zu tun haben und dass wir trotz unserer unterschiedlichen Positionen, ob in der Regierung oder freien Wirtschaft, eine Unterstützung füreinander sein können, weil wir alle andere Perspektiven mitbringen.
Vieles aus diesen zwei Wochen lässt sich unmittelbar auf meine Arbeit bei INWX übertragen. Themen wie kritische Infrastruktur, Cyber-Hygiene und die aktuelle Bedrohungslage berühren direkt unseren Alltag als Registrar. Sei es bei der Absicherung unserer Netzwerke, im Umgang mit Sicherheitsvorfällen oder bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen wie NIS2. Ich konnte wertvolle Kontakte knüpfen und Ideen zur Umsetzung und Schulungen der Mitarbeitenden gewinnen. Auch für mich persönlich konnte ich einiges mitnehmen. Ich freue mich schon auf alles, was kommt.



Das Programm im Detail
Washington – Office von USTTI
In der ersten Woche des Trainings wurden wir durch Jim O'Connor (Chairman und CEO, USTTI) im Office von USTTI begrüßt. Zum Auftakt des Programms wurden uns sowohl USTTI als auch GFC vorgestellt. Cameron Kiosoglous (Drexel University) führte uns in die Leadership-Themen der Schulung ein und legte gemeinsam mit der Gruppe die Erwartungen an das Lernumfeld und unsere Wünsche an die Ergebnisse für „Kohorte 6“ des Programms „Empowering Women to Leadership in Cyber“ fest. Wir durften ganz frei unsere Erwartungen und Wünsche an das Programm und insbesondere an den Umgang mit und untereinander äußern.
Jim O'Connor gab uns anschließend einen Überblick über die Kosten von Cyberangriffen, aktuelle Bedrohungen und mögliche Gegenmaßnahmen. Interaktiv konnten wir in kleinen Gruppen für ein fiktives, von uns erfundenes Land, Prioritäten setzen und eine eigene Cybersicherheitsstrategie entwickeln. Das war unsere erste Gruppenarbeit, bei der wir die Möglichkeit hatten, einander kennenzulernen und einen ersten Eindruck zu gewinnen. Gemeinsam eine Strategie zu entwickeln, hat wirklich Spaß gemacht.
Im weiteren Verlauf der nächsten Tage vertiefte Cameron Kiosoglous mit „Principles of Leadership, Session 1“ von insgesamt sechs Sessions, die Themen Systemdenken, strategische Führung und Führungskräfteentwicklung, inklusive einer Selbsteinschätzung der eigenen Führungsqualitäten und einer Diskussion über Hürden für Frauen in der Cyber-Branche sowie mögliche Entwicklungspläne. Eines der Highlights der ersten Woche war Grace Koh (Vice President, Governmental Affairs). Sie berichtete aus ihrer Praxis als Botschafterin und ehemalige Special Assistant to the President for Cybersecurity Policy über ihre Führungserfahrungen. Grace ist eine wirklich spannende Person und hat es uns durch ihre lockere und offene Art leicht gemacht, ihr zu folgen und ganz offen Fragen zu ihren Erlebnissen zu stellen. Sie hat sich jeder von uns einzeln gewidmet und uns ihre Kontaktdaten gegeben und uns damit die Möglichkeit gegeben, jederzeit mit ihr in Kontakt zu treten. Ein für mich wichtiger Teil ihrer Session war, dass sie uns in unseren Fähigkeiten bestärkt hat. Sie hat uns auch daran erinnert, dass Frauen oft denken, sie müssten erst alles wissen und verstehen, bevor sie sich in Situationen begeben, wohingegen Männer das ganz anders handhaben. Sei ehrlich, freundlich und standfest, du darfst Fehler machen. Sei ehrlich, nutze deine Fähigkeiten und sei bereit, nach Hilfe zu fragen, du musst nicht alles wissen. Ein Satz, der mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist der folgende: „If you deserve to sit on the table – sit in the table!“.
Teil der ersten Woche war auch ein Site-Visit bei der Cyber Bytes Foundation (geleitet von Nancy Pattillo, Executive Director). Sie zeigte, wie dort ein eigenes Cyber-Ökosystem aufgebaut wird, wie Cyber-Bildung und Outreach gestaltet werden, wie sich der Fachkräftemangel im Cybersicherheitsbereich adressieren lässt und wie gezielt Zugänge für Frauen und unterrepräsentierte Gruppen geschaffen werden können.
In „Session 2“ ging Cameron Kiosoglous auf Mentoring, Talentförderung und Wege ein, wie Frauen ermutigt werden können, Karrierehürden zu überwinden. Ein für mich weiteres Highlight war die Session mit Beth Porter (KITD). Diese Session war eine spannende Mischung aus technischen und organisatorischen Inhalten. Sie sprach über Cyber-Resilienz im Zeitalter von KI und gab ein Update zur aktuellen Bedrohungslage unter Berücksichtigung von KI-Modellen und -Agenten. In ihrer Session hat sie aktuelle Cyberangriffe thematisiert. Am meisten Spaß hat es mir immer dann gemacht, wenn wir uns interaktiv beteiligen durften. Beth hat uns jeweils in Gruppen ein Szenario zur Bearbeitung gegeben und uns die Möglichkeit zum Erstellen einer Cybersicherheitsstrategie zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen gegeben. Wir durften als CISO handeln und im Anschluss unser Vorhaben vorstellen. Das hat mir besonders Freude bereitet und mir gezeigt, wo meine Stärken liegen und dass mein Handeln und meine Ideen zu möglichen Vorgehen auch dem entsprechen, wie sich andere CISO verhalten würden.
Talia Dweck (The Internet Society) vermittelte in einer szenariobasierten, interaktiven Session praktische Strategien für komplexe Cybersicherheitsherausforderungen in unterschiedlichen Communitys weltweit.
Zum Abschluss der Woche behandelte Cameron Kiosoglous in „Session 3“ Kommunikation und Stakeholder-Management, unter anderem effektive Kommunikationsansätze für öffentliches Auftreten und Krisenkommunikation im Kontext von Frauen in Führungspositionen. Ein Wochenrückblick mit Gruppendiskussion rundete die Woche ab, um die zentralen Erkenntnisse zusammenzufassen und deren Anwendung in der Cybersicherheitsbranche zu besprechen.
Boulder – Wohnort des Gründers von USTTI
Die nächste Station der Reise ging zu dem Ort, an dem der Gründer von USTTI, Michael Gardner, bis zuletzt lebte.
Sean Gorman (CEO von Zehr.xyz) zeigte in seiner Session, die sich dem Schutz kritischer Infrastrukturen widmete, welche Schwachstellen diese aufweisen, wie diese ausgenutzt werden können und welche Maßnahmen ergriffen werden sollten, um Netzwerke und kritische Infrastrukturen angesichts der heutigen Bedrohungslage abzusichern. Er ist bei all seinen Erklärungen sowohl auf die Netzwerk- als auch auf die physische Infrastruktur eingegangen. Sehr spannend und gleichzeitig beängstigend fand ich das Thema Cross-referencing von öffentlichen Quellen, was jeden von uns betrifft. Im Anschluss folgte eine vertiefende Fragerunde, in der offene Fragen der Teilnehmerinnen zum Thema diskutiert wurden.
Zum Abschluss des Tages, fand am Abend ein besonderer Empfang statt, bei dem die Ehefrau von USTTI-Gründer Michael Gardner, Theresa Gardner, anwesend war und persönliche Gespräche im informellen Rahmen ermöglichte. Sie war an der Gründung von USTTI wesentlich beteiligt, indem sie Michael Gardner unterstützte.
Weiter ging das Programm der „Session 4“ zu Führungsprinzipien mit Cameron Kiosogulous, die sich der Programmplanung und dem Projektmanagement widmete. Wir erhielten praktische Werkzeuge für die Leitung von Initiativen, Workshops und Bootcamps und lernten, wie sich Projekte von der Planung bis zur Umsetzung effizient steuern lassen. Insbesondere für die Schulung von Mitarbeiter:innen im Bereich Cybersicherheit. Ziel war es, wirkungsvolle Ergebnisse zu erzielen, Ideen zu vertiefen, wie Cybersicherheitsthemen weitergegeben werden und zugleich die aktive Teilnahme von Frauen in der globalen Cyber-Workforce gefördert werden kann.
Los Angeles – ICANN-Headquarters
Los Angeles war für uns die letzte Station des Programms. Los ging es mit einem wirklich spannenden Thema: Cyber-Diplomatie, vorgestellt von Jim O'Connor. Es ging darum, was diplomatisches Handeln im digitalen Raum eigentlich bedeutet und wie man selbst als Cyber-Diplomatin auftreten kann – ein Blickwinkel, der noch einmal deutlich gemacht hat, wie eng Technik und zwischenstaatliche Beziehungen mittlerweile verwoben sind. Und auch, wie diplomatische Kommunikation helfen kann. Cyber Diplomatie nicht als Schachspiel, sondern als Billardspiel zu sehen, fand ich einen sehr interessanten Vergleich, da auch auf dem Weg immer wieder andere getroffen werden als nur die adressierten Personen und damit ein unvorstellbarer Impact entsteht. Cyberdiplomacy bedeutet, die Empathie zu haben, sich selbst in die „Schuhe“ anderer hineinzuversetzen. Themen wie Kompromisse, Verhandlung und aktives Zuhören, Austausch und insbesondere „die Kunst des Redens, ohne etwas auszusagen“ sind Kernpunkte der Session gewesen.
Danach folgte „Session 5“ mit Cameron Kiosoglous. Im Mittelpunkt standen dieses Mal kulturelle Kompetenz und die Förderung von Frauen in Führungspositionen, insbesondere in Branchen, die traditionell von Männern dominiert werden. Wir haben uns mit Strategien beschäftigt, wie man Frauen gezielt stärken kann, welche kulturellen Dynamiken dabei eine Rolle spielen und wie sich gleichberechtigte Chancen schaffen lassen. Auch generelle Probleme wurden hier thematisiert und in Gruppen diskutiert, besprochen und teils auch Lösungen gefunden.
Mein persönliches, absolutes Highlight war der Besuch in den ICANN-Headquatern. Naela Sarras ( Vizepräsidentin für Stakeholder Engagement Nordamerika) und Andee Hill (Senior Director der Global Domains Division bei ICANN) stellten zunächst die Arbeit von ICANN vor und sprachen ganz offen darüber, welche Fähigkeiten und Strategien im Cybersecurity-Sektor wirklich funktionieren und welche eben nicht. Wir haben Fälle besprochen und durften in einem Q&A mit Andee Hill Fragen stellen. Diese ehrlichen Erfahrungsberichte aus erster Hand fand ich besonders großartig. Zudem sind wir bei INWX und als ICANN akkreditierter Registrar eng mit ICANN verwoben. Das persönliche Aufeinandertreffen mit den beiden Frauen und auch der intime Austausch waren wirklich wertvoll.
Den Abschluss bildete eine Session zu Cyber-Hygiene und Kultur mit Jim O'Connor. Es ging sehr praxisnah darum, welche Schritte Einzelpersonen, Organisationen und ganze Nationen ergreifen können, um die Auswirkungen von Cyberangriffen möglichst gering zu halten – ein guter, handfester Abschluss für einen inhaltlich sehr dichten Tag. Der Vergleich des „Nicht-Duschens“ war ein sehr eindrücklicher.
Ein weiterer Baustein der Führungsprinzipien-Reihe war die letzte „Session 6“ mit Cameron Kiosoglous. Die abschließende Session behandelte die kontinuierliche Weiterentwicklung von Cybersecurity-Kompetenz. Wie sich nationale und organisatorische Cybersecurity-Strategien gestalten lassen, wie man politische Entscheidungsprozesse beeinflussen und systemischen Wandel vorantreiben kann. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei darauf, wie man sich gezielt für eine stärkere Beteiligung von Frauen im Cyber-Workforce einsetzen kann.
Den Abschluss der beiden Trainingswochen bildete die Session „Now What?“. Gemeinsam ließen wir die wichtigsten Erkenntnisse aus dem gesamten Programm noch einmal Revue passieren und besprachen, wie jede von uns die gewonnenen Erkenntnisse konkret in den eigenen Entwicklungsplan überführen kann. Wir durften unsere ergänzenden Ideen zu unserem ursprünglich eingereichten Implementierungsplan vorstellen und uns austauschen. Für mich war das ein wirklich sehr wertvoller Abschluss, weil es nicht bei der reinen Wissensvermittlung blieb, sondern der Blick ganz bewusst nach vorn gerichtet wurde: Was nehme ich mit, und wie setze ich es jetzt tatsächlich um? Für INWX und auch für mich sind dabei tolle Ideen entstanden.

Ariane Weik
Ariane verfügt über umfangreiche Expertise in Themen wie Compliance und Informationssicherheit. Durch ihr Engagement innerhalb der ICANN erlangte sie tiefe Kenntnisse über die geltenden Regularien und Standards. In ihren Artikeln macht sie diese komplexen Themen verständlich und praktisch.