for-sale-DNS-Record erklärt: Domain zum Verkauf markieren
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Seit Juli 2026 kannst Du mit einem TXT-Record im DNS hinterlegen, dass Du eine Domain zum Verkauf anbietest. Grundlage dafür ist RFC 10023, mit dem die IANA den neuen Eintrag "_for-sale" offiziell in das Register der Underscored and Globally Scoped DNS Node Names aufgenommen hat.
Was ist der for-sale-Record?
Der „_for-sale“-Eintrag ist kein eigenständiger DNS-Record, sondern ein Underscore-Label innerhalb eines ganz gewöhnlichen TXT-Records. Der Knotenname„_for-sale“ legt dabei nur fest, an welcher besonderen Stelle in der Zone dieser TXT-Record abgelegt wird.
Drei Eigenschaften machen ihn interessant:
- Er lässt sich jederzeit setzen und wieder entfernen, ohne dass bestehende Systeme unter der Domain unterbrochen werden
- Er funktioniert auch dann, wenn die Domain ganz normal weiterläuft
- Er erfordert keine Protokolländerung und keine Unterstützung durch die Registry
Wer einen TXT-Record anlegen kann, kann den Eintrag also sofort nutzen. Zum Verkauf verpflichtet er übrigens nicht.
Wie ist ein TXT-Record mit _for-sale Underscore-Label aufgebaut?
Ein „_for-sale“-TXT-Eintrag kann zum Beispiel so aussehen: _for-sale.example.com. 3600 IN TXT "v=FORSALE1;fval=EUR999"
Die einzelnen Bestandteile bedeuten dabei:
_for-sale: der reservierte Knotenname, der das Signal überhaupt erst als Verkaufshinweis kennzeichnetexample.com: die Domain, für die der Eintrag gilt3600: Time to Live (TTL), wie lange der Eintrag im Cache gespeichert wirdIN: Protokollklasse, steht in DNS-Einträgen üblicherweise für „Internet“TXT: Record-Typv=FORSALE1;: das Versions-Tag, das jeder Eintrag zwingend enthalten mussfval=EUR999: der Content-Tag mit der eigentlichen Information, hier die Preisvorstellung
Wichtig ist der Unterschied zwischen den beiden ersten und den beiden letzten Abschnitten. „_for-sale“ ist kein Bestandteil des Records selbst, sondern ein eigenes Label unterhalb Deiner Domain. Der Inhalt in Anführungszeichen ist dagegen der Wert des TXT-Records.
Das Versions-Tag v=FORSALE1; muss immer am Anfang stehen. Der Grund dafür ist praktischer Natur: An derselben Stelle in der Zone können auch andere TXT-Records auftauchen, die nichts mit einem Verkauf zu tun haben. Nur das Versions-Tag erlaubt es auswertenden Systemen, ein echtes Signal von zufälligem Beiwerk zu unterscheiden. Fehlt es, muss der Eintrag ignoriert werden.
Welche Content-Tags gibt es?
Nach dem Versions-Tag folgt eine weitere Angabe, der sogenannte Content-Tag. Diese Tags sind optional, es ist jedoch empfohlen, sie zu verwenden, um Interessent:innen weitere Informationen zu bieten. Vier davon sind definiert:
furi: enthält genau einen URI, über den Interessent:innen weitere Informationen erhalten oder Kontakt aufnehmen können. Empfohlen sind die Schemata http, https, mailto und telfval: enthält eine Preisvorstellung aus Währungscode und Betrag. Für gängige Währungen sind die dreistelligen Codes nach ISO 4217 vorgesehen, auch Kryptowährungen sind möglichftxt: enthält kurzen Freitext für menschliche Leser:innen, zum Beispiel einen Hinweis auf Bedingungenfcod: enthält einen Code, dessen Bedeutung zwischen kooperierenden Parteien vereinbart wird, etwa zwischen einer Registry und ihren Registraren
Der Vorteil von fcod: Statt einer Ziel-URL hinterlegst Du nur einen Code, dessen Ziel das System der auswertenden Partei bestimmt. So bleibt die Kontrolle beim bekannten Backend, und Weiterleitungen lassen sich zentral ändern, ohne Tausende DNS-Einträge anzufassen.
Pro Record darf immer nur ein Content-Tag stehen. Wenn Du Preis, Kontaktadresse und einen Hinweistext gleichzeitig angeben möchtest, legst Du einfach mehrere TXT-Records am selben Knoten an. Auswertende Dienste suchen sich dann heraus, was für sie relevant ist.
Was gibt es beim Setzen von for-sale- Einträgen im DNS zu beachten?
Ein paar Einschränkungen solltest Du kennen, bevor Du den Eintrag setzt.
Die Domain muss auflösen: Das Signal steht im DNS und funktioniert deshalb nur, solange die Domain auch tatsächlich auflösbar ist. In der Redemption-Period, im Status pendingDelete oder bei einer fehlgeschlagenen DNSSEC-Validierung läuft der Mechanismus ins Leere.
Kurze TTL wählen: Der Standard empfiehlt höchstens 3.600 Sekunden. Lange Cache-Zeiten führen dazu, dass veraltete Preise oder zurückgezogene Verkaufsabsichten noch stundenlang durch die DNS Resolver kursieren.
Wildcards helfen nicht. „_for-sale“ muss immer als konkreter Eintrag gesetzt werden, ein _for-sale.*.example.com ist ungültig. Du kannst also nicht mit einem Eintrag ein ganzes Portfolio oder eine komplette Top-Level-Domain als verkäuflich markieren, sondern benötigst für jede Domain einen eigenen Record.
Nicht unterhalb von .arpa. Der Eintrag darf auf jeder Ebene im DNS stehen, mit einer Ausnahme: In der Infrastruktur-Domain .arpa ist er ausgeschlossen.
Nach dem Verkauf entfernen. Ist die Domain verkauft oder soll sie nicht mehr angeboten werden, gehört der Eintrag gelöscht. Ein Text, der aussagt, dass eine Domain gerade nicht zum Verkauf steht, ist nach dem Standard ungültiger Inhalt.
Welche Risiken birgt der _for-sale Record?
So einfach der Eintrag zu setzen ist, so offen benennt der Standard seine Schattenseiten.
Deine Verkaufsabsicht wird öffentlich. Ein DNS-Eintrag ist für jeden abfragbar. Wer "_for-sale" setzt, teilt der ganzen Welt mit, dass er verkaufsbereit ist. Das kann die eigene Verhandlungsposition schwächen, und auch Wettbewerber sehen das Signal.
Kontaktdaten laden zum Scraping ein. Eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer in furi steht ungeschützt im DNS. Genau die Daten, die im WHOIS aus guten Gründen zurückgehalten werden, wandern damit wieder in die Öffentlichkeit. Wenn Du das vermeiden möchtest, verweist Du besser auf ein Kontaktformular als auf eine direkte Adresse.
Preisangaben sind unverbindlich. Der Wert in fval ist ausdrücklich nur ein Anhaltspunkt. Automatisierte Systeme sollen daraus keine Kaufverpflichtungen ableiten, und künstlich niedrige Lockpreise sind ein absehbares Muster.
Missbrauch als Marketingkanal. Der Standard weist selbst darauf hin, dass sich der Eintrag nutzen lässt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen oder Kontakte zu provozieren, ganz ohne echte Verkaufsabsicht.
"_for-sale" im DNS prüfen und richtig einsetzen
Ob für eine Domain bereits ein for-sale-Eintrag hinterlegt ist, prüfst Du mit einem einfachen Kommandozeilenbefehl: dig TXT _for-sale.example.com +short
Alternativ funktionieren auch Weboberflächen wie digwebinterface.com wenn Du den Record-Typ auf TXT stellst.
Wenn Du solche Einträge auswertest und auf einer Website anzeigen willst, solltest Du vorsichtig sein. Denn der Inhalt eines TXT-Records kann von jedem frei gewählt werden und ist damit grundsätzlich nicht vertrauenswürdig. Solche Daten müssen deshalb vor der Anzeige bereinigt werden, und ein Link aus furi darf nie automatisch geöffnet werden. Nutzer:innen müssen erst aktiv bestätigen, dass sie das Ziel wirklich besuchen möchten.
Bei INWX kannst Du den Eintrag ganz einfach selbst in der Nameserver-Verwaltung setzen. Wie das geht, erfährst Du in unserer FAQ Wie richte ich einen TXT-Eintrag ein?
RFC 10023 ist lediglich ein Informational-Dokument und beschreibt lediglich eine Konvention. Das Setzen von _for-sale im Domain Name System ist keine Pflicht, um eine Domain zu verkaufen.
Ob sie sich durchsetzt, entscheidet die Praxis. Die Voraussetzungen sind allerdings gut. Der Eintrag kostet nichts, greift in nichts ein und lässt sich mit einer einzigen Zeile ausprobieren. Wenn Marktplätze, Registrare und Verfügbarkeitsprüfungen das Signal künftig auswerten, könnte daraus ein nützlicher Standardbaustein im Domainhandel werden.
Mehr zu den gängigen Wegen, eine vergebene Domain zu erwerben, findest Du in unserem Artikel So kannst Du eine schon vergebene Domain kaufen.

Katrin Hrubesch
Katrin kennt durch ihre vorherige Erfahrung in der Webentwicklung die zahlreichen Facetten des Internets—von Domains über Websites bis hin zu digitalen Strategien. Seit 2024 verstärkt sie das INWX-Team und teilt in unserem Blog ihr Wissen über Webtechnologien, Domains und aktuelle Branchentrends.